Baufortschritte beim Pumpspeicherwerk Linthal 2015
Schalungstechnik für Kavernen und Staumauer
Die Anlagen des seit zwei Jahren im Bau stehenden Pumpspeicherkraftwerks Linthal 2015 im Kanton Glarus stellen gigantische Untertagebauvorhaben dar. So sind rund 8 km an Zugangsstollen und Triebwasserwegen vorzutreiben und drei Kavernen auszubrechen. Für den Gewölbeeinbau in den Kavernen werden Schalungssysteme der Holzco-Doka Schalungstechnik AG eingesetzt. Diese liefert auch die Schalungen für die im Bau befindliche neue Staumauer Muttsee von 1 km Länge und bis zu 35 m Höhe.
Die Kraftwerke Linth-Limmern AG (KLL) erstellt mit den Partnern Kanton Glarus mit einem Anteil von 25 Prozent und Axpo AG 85 Prozent das Kraftwerkprojekt Linthal 2015. Damit kann die Leistung der seit 1968 in Betrieb stehenden Anlage von 480 MW auf 1480 MW gesteigert werden. Für das neue Pumpspeicherwerk (PSW) sind neben dem 4 km langen Zugangsstollen von 8 m Durchmesser für die Standseilbahn zur Kaverne auch Triebwasserwege von mehr als 4 km Länge zu erstellen. Dazu gehören auch zwei Druckschächte von je 1,1 km Länge mit einem Durchmesser von 5,2 m und einer Neigung von 90 Prozent.
Kavernenzentralen als Kathedralen im Fels
Für den Einbau der vier Pumpturbinen und der Generatoren sind auf einer Höhe von 1700 müM und 600 m im Berginnern zwei Kavernen auszubrechen. Die Maschinenkaverne hat die Kathedralengrossen Abmessungen von 156 m Länge, 30,6 m Breite und 53 m Höhe und erreicht damit ein Ausbruchvolumen von 194 000 m3. Dieser riesige Hohlraum der Maschinenkaverne ist in sieben Stockwerke unterteilt und nimmt die Pumpturbinen mit den Oberwasserschiebern sowie die Motorgeneratoren und auch die Bergstation der Standseilbahn auf. Etwas kleiner ist die separate Transformatorenkaverne mit 139 m Länge, 19,5 m Breite und 24,3 m Höhe, was eine Ausbruchkubatur von 70 000 m3 ergibt. Als dritte kommt die Schieberkaverne hinzu, die bereits im Rohbau erstellt ist.
Die Ausbrucharbeiten in den beiden Kavernen laufen nach Angaben von Axpo auf Hochtouren im Durchlaufbetrieb an sieben Tagen rund um die Uhr in drei Schichten. Der Ausbruch und die Baumeisterarbeiten werden durch die Arge Kraftwerk Limmern mit den Firmen Marti AG und Toneatti AG ausgeführt. Beim Ausbruch, der von oben nach unten erfolgt, wurde in einem ersten Schritt der Firststollen ausgebrochen und durch 12 m lange Anker und Spritzbeton gesichert. Es folgten der Ausbruch und die Sicherung der Kalotte. Dann wurden die Gewölbeschalung gestellt und die Bewehrung verlegt.
Für das ganze Gewölbe waren 25 Betonsegmente mit einem Abstand von 1 m auszuführen. Die Abschnittslänge beträgt 5,5 m, die Dicke erreicht 0,8 bis 1,2 m. Nach der Gewölbebetonierung wird der Kavernenstross in acht einzelnen Etappen mittels Sprengverfahren nach unten ausgebrochen. Pro Tag fällt bis zu 1000 m3 Felsausbruch an, was für die Kavernen eine Gesamtmenge von 264 000 m3 ergibt. Das Material gelangt durch einen 40 m langen Schutterschacht nach unten, wo ein Pneulader damit eine Brecheranlage beschickt. Von dort wird das Material mit Förderbändern zur Zwischenlagerung bzw. Weiterverwendung im Kieswerk oberhalb des Limmernsees transportiert.
Für die in 25 Etappen von 5,5 m Länge gegliederte Ausführung der Gewölbe kam ein von Holzco-Doka Schalungstechnik AG konzipiertes System zur Anwendung. Diese Schalung besteht aus einem SL 1-Traggerüst und darüber Stahlwandriegel, Doka-Träger H20 und Dokaplex-Schalhaut. Für die Ausführung wurden drei Schalungen parallel eingesetzt und pro Kaverne eine Schalung vorgehalten. Dabei wurde in der Maschinenkaverne Schalflächen von 150 m2 eingesetzt, in der Travokaverne von 120 m2 und in der Schieberkaverne von 155 m2. Spezielle Schalung war für die rückverankerten Auflagerbalken erforderlich, auf denen die Betongewölbe abgestellt sind. Das Betonieren erfolgte in der Maschinenkaverne in 25 Etappen à 5,5 m, in der Trafokaverne waren es 22 Betonabschnitte und in der Schieberkaverne 11 Abschnitte à 6 m. Mitte Oktober war man nach Angaben von Axpo bei der Ausbruchetappe 8 angelangt. Somit können die beiden Kavernen im Laufe des nächsten Jahres fertiggestellt werden.
Mit dem Staumauerbau Muttsee begonnen
Auf einer Höhe von gut 2400 müM entsteht für das PSW Linthal 2015 die mit 1 km Länge und bis zu 35 m Höhe die längste Gewichtsstaumauer der Schweiz. Durch die Erhöhung des Seespiegels von 2446 m auf die neue Staukote von 2474 m kann das Fassungsvermögen des bisherigen natürlichen Sees von 9 auf 25 Mio. m3 gesteigert werden. Auf der Muttenalp erfolgten im Rahmen des Projektes Linthal 2015 bisher umfangreiche Installationsarbeiten. Mit dem Start des Betonierens der ersten Staumauerblöcke noch im September konnte ein Bauvorsprung von ein bis zwei Monate erzielt werden, heisst es von Axpo; geplant gewesen war der Beginn für nächsten Frühling. Wenn es die Wetterverhältnisse zulassen, sollten bis zur Einwinterung der Baustelle auf der Muttenalp total 5 Blöcke mit jeweils 4 bis 6 Etappen betoniert werden können. Damit wäre das Ziel erreicht, bis zur Winterpause noch rund 9 000 m3 Beton zu verarbeiten. Für die ganze Staumauer werden insgesamt 68 Blöcke à je 15 m Länge und mit Höhen zwischen 4 und 33 m zu betonieren sein. Das ergibt eine totale Baukubatur von rund 250 000 m3.
Für die Ausführung wird von der mit dem Staumauerbau betrauten Arge Kraftwerk Limmern mit den Firmen Marti und Toneatti die Doka-Sperrenschalung D 22 der neuesten Generation eingesetzt. Als Lieferantin hatte die Holzco-Doka-Schalungstechnik AG im Jahre 2011 Schalungselemente für vier Staumauerblöcke bereitzustellen, 2012 werden es 17 Blöcke sein und 2013 noch 14. Diese bestehen aus Stahlwandriegel, Doka-Träger H20 und Dokaplex Schalhaut. Die Sperrenschalung ist für Blockhöhen von 3 bis 4 m und Ankerzugkräfte bis 220 kN geeignet. Sie wird kippbar eingesetzt, lässt sich einfach verankern und weist eine problemlose Neigungseinstellung auf. Die zurückgekippte Schalung bietet genügend Freiraum zur Vorbereitung der Aufhängestellen. Bei einer Bühnenbreite von 1,9 m kann die Spindelstrebe leicht bedient werden. Es ist eine Vormontage der Bühnenbeläge möglich und es stehen grosse Arbeitsflächen und Durchgangsbreiten zur Verfügung. Weiter zu liefernde Schalungsausrüstungen betreffen Schalungen für Kontrollgänge durch die ganze Staumauer und für die Lotschächte.
